…von 1877 bis heute.

Chronik_Wache_Frueher_Heute

Mit dem lakonischen Vermerk im Protokollbuch „Versammlung zur Bildung einer freiwilligen Feuerwehr in Hohenwestedt am Sonntag, dem 13. Dezember 1877, nachmittags 4 Uhr im Lokal des Herrn Starke (»Zur Fernsicht«)" beginnt die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Hohenwestedt.
orausgegangen waren Gespräche am Biertisch und Anregungen aus Nachbarorten wie zum Beispiel Kellinghusen, wo schon zwei Jahre früher eine freiwillige Feuerwehr gegründet worden war.
Im Gegensatz zu vielen anderen freiwilligen Feuerwehren, die als Nebenabteilungen von Turnvereinen oder gar erst nach Brandkatastrophen entstanden, hatten hier die Bürger erkannt, dass mit Hilfe einer guten und schlagkräftigen Feuerwehr aus den eigenen Reihen der „rote Hahn" seinen Schrecken verlieren kann. Schließlich hatte die Geschichte den Hohenwestedtern mehr als einmal gezeigt, wie verheerend ein Brand im Orte wirken kann. Und die Zwangsfeuerwehren besaßen keine große Effektivität — wahrscheinlich wegen eben dieses Zwanges.
Mehr als 40 Bürger des Ortes waren dem Ruf des „provisorischen Vorstandes" der zukünftigen Feuerwehr gefolgt, so dass noch während der Versammlung eine stattliche Mitgliederliste mit aktiven Feuerwehrleuten aufgestellt werden konnte. Zunächst berichtete der provisorische Vorstand, bestehend aus den Herren Cl. Thun, Herm. Westphal, H. Ralfs, R. Pape und A. Starke, die in einer früheren Versammlung als solche gewählt worden waren, dass sie eine freiwillige Zeichnung von Anteilen angestellt haben, deren Ertrag jetzt ca. 550 Mark sei und dass man hierauf gestützt und in Aussicht auf weitere sonst zu erlangende Geldmittel zur Konstituierung des Vereins schreiten könne. Weiter schreibt der Chronist: „Punkt 2: Durch schriftliche Abstimmung wurde Herr J. Kirchhof mit 31 Stimmen zum Hauptmann, Herr Kaufmann Cl. Thun mit 12 Stimmen zu dessen Stellvertreter und zum Schriftführer der Gerber Westphal mit 21 Stimmen erwählt. Sämtliche Herren nehmen die Wahl an.
Punkt 3: Sodann wurde zur Vorlage des Statuts geschritten. Das Statut des Vereins der freiwilligen Feuerwehr in Kellinghusen wird verlesen und dasselbe mit den nötigen Abänderungen und einigen sonstigen Statuten angenommen. Die anwesenden Herren genehmigen obige Beschlüsse durch ihre Unterschrift und verpflichten sich als Mitglieder der hiesigen freiwilligen Feuerwehr."
Es folgt das Verzeichnis sämtlicher Führer und Mannschaften, das hier wiedergegeben wird. Mancher Name ist aus den Einwohnerlisten Hohenwestedts als Folge der wechselvollen Geschichte verschwunden, manch neuer Name kam hinzu. Aber viele Namen sind auch heute noch nach mehreren Generationen noch in der Wehr vertreten:
J. Kirchhof (Hauptmann), Kaufmann Thun (Stellvertreter), Herrn. Westphal (Schriftführer, später Bezirks-Adjutant), R. Pape (Steigerführer), C. Deising, Joh. Schönwandt, Hch. Braker (stellvertretender Führer), H. Pape, C. Hebel, H. Kallau, L. Andersen (Retterführer), N. Homfeldt (Retterführersteilvertreter), D. Meyer, Cl. Voß, II. Peters, Sattler Thun, H. Stender (alle Retter), Th. Stammerjohann (Spritzenführer), H. Martens (Stellvertreter), Joh. Boll (Spritzenmeister), Cl. Stender (Rohrleiter), H. Koll, C. Stange, H. D. Voß, H. Beckmann, P. Theis, Lehrer Rohweder, A. Starke, Hch. Ehlers, H. Nupnau, C. Meesch jun., Joh. Bracker, Cl. Voß, J. Eggers, A. Nupnau, H. Reimers, Bargfeld, Herrn. Bracker (Spritzenmänner), H. Raifs und H. Tappenbeck (Trompeter). Hinzu kamen wenig später als weitere Spritzenmänner Carl Michaels, Frauenstein und Ernbke."
Es war somit eine recht stattliche Wehr, die sich damals zusammengefunden hatte. Immerhin hatte der Ort Hohenwestedt seinerzeit nur etwa 1560 Einwohner, so dass jeder vierte Bürger Mitglied der Wehr war.

Musik_1953

Die Dörfer Glüsing und Vaasbüttel, die damals noch nicht zu Hohenwestedt gehörten, wurden in den Arbeitsbereich der hiesigen Feuerwehr mit einbezogen. Weiterhin wurde ausdrücklich den Dorfgemeinschaften Wapelfeld, Remmels, Nienborstel, Nindorf, Heinkenborstel, Mörel, Rade, Tappendorf, Jahrsdorf, Silzen, Peissen, Grauel, Meezen, Reher und Osterstedt Löschhilfe im Brandfalle angeboten.
1878 war das Jahr des Aufbaues. Vier Generalversammlungen, eine außerordentliche Mitgliederversammlung und 19 „Führersitzungen" kennzeichnen die Aktivitäten. Große Anschaffungen mussten getätigt werden. Es ging dabei um Arbeitsbekleidung ebenso wie um Leitern und Tauwerk. Nicht alles ging so reibungslos wie die Gründung vonstatten. So verlangte der Gerber Nelting für das Einfärben von Drillichtuch 80 Pfennig je laufenden Meter. Die Wehr wollte jedoch nicht mehr als 40 Pfennig, höchstens jedoch 50 Pfennig ausgeben. Der Gerber begründete seine Forderung mit dem Hinweis, dass der Kaufmann Thun an dem Drillich auch mindestens 20 Prozent verdient habe, was sich schließlich doch als falsch erwies.
Natürlich gab es auch finanzielle Probleme. Mehrere Male wurde der Hauptmann Kirchhof ermächtigt, bei der Spar- und Leihkasse für die Wehr einen Kredit aufzunehmen. Die Gemeinde konnte keine Unterstützung leisten, denn sie hatte noch die Zwangsfeuerwehr zu unterhalten. Aber mit der Zeit renkte sich alles ein.
Gesellschaftsfähig wurde die Wehr noch im gleichen Jahr, als Direktor Conradi in dem Sonderstatut eines „Feuerwehrvereins der Ackerbauschüler" die Landwirtschaftsschüler im Ort zur aktiven Unterstützung der Hohenwestedter Feuerwehr anhielt.
Als die Mitglieder der Hohenwestedter Wehr 1878 eine Manöverübung der zwei Jahre älteren Kellinghusener Wehr sahen, wurde ihnen bewusst, wie wenig ihnen von einer effektiven Brandbekämpfung bekannt war. Sie luden die Abteilungsführer der Kellinghusener Wehr zur Schulung der hiesigen Wehrmänner ein.
1880 wurde beschlossen, eine neue Wasserspritze anzuschaffen. Nach langem Hin und Her zwischen Gemeindeverwaltung, Landratsamt, Landesdirektorat und Feuerwehr stand fest, dass eine „Abprotzspritze Nr. 3 mit Saugeinrichtung aus der Fabrik von Heinrich Kurtz in Stuttgart zum Preise von 900 Mark" gekauft werden sollte. Noch im gleichen Jahr musste die Wehr zu einem ersten Brandeinsatz nach Wapelfeld ausrücken, wobei ausdrücklich im Protokollbuch vermerkt wurde, dass Direktor Conradi mit seinen Ackerbauschülern tatkräftige Unterstützung leistete.
Die Jahre des Anfangs waren naturgemäß mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden. Wen wundert es daher, dass man alle Möglichkeiten ausschöpfte, um „Geld zu machen". So beschloss der Vorstand der Feuerwehr am 12. September 1880 im Walde des Gastwirtes Kasch (heute am Pommernweg) ein Waldfest abzuhalten. Ob dieses Fest ein finanzieller Erfolg wurde, lässt sich aus dem Protokollbuch leider nicht entnehmen. Mit Sicherheit ist es aber kein Reinfall gewesen, denn es finden sich auch in späteren Jahren noch Hinweise auf Waldfeste der Feuerwehr.
1884 schied Hauptmann Kirchhof aus dem aktiven Dienst aus. Nur etwas mehr als fünf Monate war Herrn. Westphal dann Hauptmann. Als er im September 1884 sein Amt wegen Umzugs nach Eidelstedt zur Verfügung stellte, schlug er den Kaufmann L. Andersen als seinen Nachfolger vor, der auch einstimmig gewählt wurde.
Noch im gleichen Jahr wurde mit einer Schulübung am Steigerturm das neue Gerätehaus an der Ecke Kieler Straße/Mühlenstraße eingeweiht. Die Alarmierung erfolgte wie im Ernstfall mit zwei Trommeln und einem Hornisten
1885 musste die Feuerwehr dreimal zur Brandbekämpfung ausrücken, davon einmal in Hohenwestedt. Noch im gleichen Jahr kam aus den Reihen der Wehr der Vorschlag, die Gemeinde möge doch die Zwangsfeuerwehr auflösen und das gesamte Feuerlöschwesen der freiwilligen Feuerwehr übertragen. Der Vorschlag blieb aber ohne Erfolg.
Nur ein Jahr später, 1886, beschloss man, auch ein Feuerwehr-Musikkorps zu gründen. Ein Stabstrompeter aus Neumünster wurde beauftragt, die Musikinstrumente zu beschaffen und die Musiker auszubilden. Um nun zwischen einem übenden Trompeter und einem Feueralarm besser unterscheiden zu können, wurden für die Alarmierung zwei Nebelhörner angeschafft. Die Instrumente bezahlten die Musiker aus der eigenen Tasche. Der erste öffentliche Auftritt des Feuerwehr-Musikzuges geschah bei einem Ball nach dem Abschlussmanöver am 24. Oktober 1886.
Zum zehnjährigen Bestehen der hiesigen Feuerwehr erhielten die 40 Wehrmänner neue Uniformröcke. Das nötige Tuch besorgte F. Tappenbeck, das Nähen erledigte Schneidenmeister Lühmann, beides aktive Feuerwehrleute. Die Gemeindesparkasse stiftete zu diesem Unternehmen 450 Mark. Immerhin kostete damals ein Uniformrock ohne Abzeichen doch 14,50 Mark, wovon der Schneidermeister 4,50 Mark für die Anfertigung erhielt.
1887 folgten 12 Feuerwehrangehörige einer Anregung Professor Esmarchs aus Kiel, die Feuerwehrleute auch in Erster Hilfe ausbilden zu lassen. In Hohenwestedt übernahm Dr. Borchers die Ausbildung der Wehrmänne

Spritze

Das zehnjährige Stiftungsfest wurde mit Pomp begangen. Zum Programm gehörten Frühschoppen, Schulübungen, Exerzieren, Brandmanöver, ein Festmarsch durch den Ort und natürlich als Abschluss ein Festcommers mit Konzert, Theater und Festball. Die lebenden Bilder, die früher zu jeder größeren Veranstaltung gehörten, wechselten sich mit Musikstücken und kleinen Theatereinlagen ab.
Von Interesse sind die Aufzeichnungen über die Beiträge und Strafgelder der Feuerwehr. Ein passives Mitglied zahlte damals 2 Mark im Jahr. Um eine Beziehung zu den heutigen Preisen herzustellen, führe man sich vor Augen, dass zu jener Zeit ein Doppelfass Bier mit rund 100 Liter Inhalt 2 Mark kostete. Die Strafgelder, die ausnahmslos in die Kameradschaftskasse flossen, waren je nach Schwere des „Deliktes" gestaffelt. Verspätetes Erscheinen zur Übung kostete 10 Pfennig, ebenfalls das „schlechte Putzen". Das Fernbleiben vom Dienst kostete 50 Pfennig und das Fernbleiben vom Brandeinsatz 2 Mark. Bei diesen Preisen war es klar, dass sich jeder bemühte, an allen Übungen teilzunehmen und auch keinen Brandeinsatz zu versäumen. Um die Kameradschaftskasse vor der gähnenden Leere zu bewahren, wurden verschiedene Vergnügungen veranstaltet, deren Reinerlös zur Aufbesserung der Finanzen diente. Die Ausgaben der Kameradschaftskasse beinhalteten Frachten, Porti, Briefpapier und das „Ansagen" zum Dienst.

Auch mit Schaulustigen, die die Feuerwehrleute bei der Arbeit behinderten, hatte man damals schon Probleme. So mussten oftmals Angehörige der Zwangsfeuerwehr als „Ordnungsgruppe" eingesetzt werden.
Gern und oft wurden die Wehrmänner und ihr Musikzug eingeladen, an nationalen Festen teilzunehmen. Darunter fielen die alljährlichen Feierlichkeiten zu Kaisers Geburtstag, aber auch die üblichen Denkmal
enthüllungen, Gedenkfeiern zum Sedanstag und vieles mehr. An einer Feier weigerte sich die Hohenwestedter Feuerwehr jedoch teilzunehmen. Das war die Einweihung der Kleinbahnverbindung nach Rendsburg, der so genannten „Rosa". Über die Gründe dieser Ablehnung schweigt sich das Protokollbuch leider aus.
1904 wurde eine neue Spritze angeschafft. Sie sollte 1600 Mark kosten. An Eigenmitteln standen der Wehr 1200 Mark zur Verfügung. Über die verbleibende Restsumme wurde von der Gemeindesparkasse ein Kredit aufgenommen.
1905 gab es für die Hohenwestedter Feuerwehr viel zu tun. Bei mehreren Einsätzen musste in Tappendorf, Kaaksburg und Böternhöfen Hilfe geleistet werden. Der größte Einsatz war in Peissen zu bewältigen, als am 31. Juli 1905 18 Gebäude ein Raub der Flammen wurden.
1909 besaß die Feuerwehr 51 aktive Wehrmänner und hatte damit einen vorläufigen Höchststand erreicht. Mit dem ersten Löschwasser-Hydranten des neuen Wasserwerkes hielt nunmehr auch die Neuzeit in Hohenwestedt ihren Einzug. Man brauchte nicht mehr mühsam das Löschwasser aus einem Teich (zum Beispiel dem damals viel größeren Barmerteich) in die Schlauchleitungen zu pumpen. Auch die Alarmierung der Wehrmänner zur Hilfeleistung in Nachbardörfern konnte schneller erfolgen, denn das Telefon hatte seinen Siegeszug angetreten.
1912 wurden ein Rauchheim und ein Sauerstoffapparat angeschafft. Die Hohenwestedter Wehr zählte damit zu den modernsten in weiter Umgebung. Die Gemeinde entschloss sich, die Versicherungskosten für die Feuerwehrunfallkasse zu übernehmen.

Panzerbrand01

Der 1. Weltkrieg von 1914/18 ging auch an der Hohenwestedter Feuerwehr nicht spurlos vorüber. Von 48 aktiven Wehrmännern waren 26 zum Wehrdienst einberufen worden. Bei Feueralarmen sprangen entsprechend des alten Vertrages die Landwirtschaftsschüler helfend ein. Aus dem Jahre 1917 findet sich ein Hinweis, dass bei einem Feuer in der Bäckerei Grell in der Bergstraße der Rauchheim mit dem Sauerstoffgerät erfolgreich eingesetzt worden waren. Und bei keiner Generalversammlung fehlte künftig der Vermerk: Es wurde der gefallenen Kameraden ehrend gedacht.
Erste Anzeichen des Währungsverfalls wurden bei der Protokollierung des Stiftungsfestes im Jahre 1919 deutlich. Die Eintrittspreise mussten wegen der gestiegenen Kosten drastisch angehoben werden. Und im folgenden Jahr mussten das Sommervergnügen und der Kameradschaftsabend sogar ausfallen. Der Beitrag für passive Mitglieder wurde von 2 auf 5 Mark angehoben. Das Entrée für das Stiftungsfest, das trotz aller Widrigkeiten stattfand, wurde von 2 auf 6 Mark erhöht.
1920 wurde ein neuer Wehrführer gewählt. Julius Ihle löste Conrad Hebel ab, der 30 Jahre lang die Wehr geführt hatte. Eine solch lange Amtszeit für einen Wehrführer hat es zuvor und auch später nie wieder gegeben.
Die Inflation nahm galoppierende Züge an. 1922 kostete der Eintritt zum Stiftungsfest schon 80 Mark, 1923 wurde das Fehlen beim Brandeinsatz mit einem Strafgeld von 100 Mark belegt. Der Beitrag zum Kreisfeuerwehrverband wurde auf 1000 Mark pro Feuerwehrmann festgesetzt. Im November 1923 war dann der ganze Inflationsspuk vorbei. Man war von den schwindelnden Höhen astronomischer Geldsummen wieder auf den Boden normaler Geldbeträge zurückgekehrt, denn aus der Hauptversammlung im November 1923 stammt der Hinweis: „Das Entrée für das Stiftungsfest wurde auf 1,50 RM festgesetzt."
Der Kreisfeuerwehrverband regte 1924 an, die Wehren sollten so genannte Stoßtrupps bilden, die im Alarmfall mit dem Fahrrad sofort und direkt zur Brandstelle eilen. Hier sollten sie erste Hilfe leisten, Rettungsarbeiten vornehmen und die Ankunft der Feuerwehr vorbereiten, indem sie die Schaulustigen abdrängten und die Zufahrten offen hielten. An technischem Gerät besaß die Feuerwehr zur damaligen Zeit eine Handspritze mit Druckausgleichskessel. Sie wurde von freiwilligen und gezogenen Helfern bedient. Die gezogenen Helfer rekrutierten sich aus Schaulustigen, die vom Spritzenführer zur Hilfeleistung aufgefordert wurden, Weigerten sie sich, so notierte der Gendarm ihre Namen. Sie erhielten dann vom Gemeinde-vorsteher eine Aufforderung „Brüch to betalen" wegen unterlassener Hilfeleistung. Diese Brüche entsprachen etwa unserem heutigen Bußgeld.
Man war sich damals wohl schon darüber im Klaren, dass eine Handspritze keineswegs der Weisheit letzter Schluss sei. 1925 ließ sich die Wehr eine Motorspritze vorführen, die die Arbeit erheblich erleichterte. Leider findet sich im Protokollbuch kein Hinweis hierüber. So scheint eine Anschaffung wegen der hohen Kosten nicht erfolgt zu sein, denn noch 1927 wurde bei Brandeinsätzen in Hohenwestedt die alte Handspritze benutzt.
Der 29. Kreisfeuerwehrtag wurde im Jahre 1927 anlässlich des 5Ojährigen Bestehens der hiesigen freiwilligen Feuerwehr abgehalten. Der Spritzenmeister erhielt dabei vom Landesbrandinspektor ein großes Lob „für tadellosen Zustand des Feuerlöschmaterials". Es gab auch Anerkennung in barer Münze. So schenkte die Landesbrandkasse 300 Mark, die zusammen mit einem Überschuss aus der Vergnügungskasse zum Kauf von Schläuchen mit Normalkupplung verwendet wurden. Normalkupplungen vor allem deswegen, weil sich bei Hilfeleistungen außerhalb Hohenwestedts immer wieder herausstellte, dass kein Schlauch zum anderen passte.
1930 wurde gemeinsam mit Vaasbüttel, Glüsing und Remmels eine Kleinmotorspritze angeschafft. Sie durfte nach Gemeinderatsbeschluss auch nur in diesen Orten eingesetzt werden. Für alle anderen Einsätze musste weiterhin die umständliche Handspritze benutzt werden.
Mit einem Runderlass des Reichsministers des Inneren vom 13. Januar 1934 setzte eine zweijährige, turbulente Entwicklung ein, an der die Feuerwehr fast zerbrach. Der Feuerwehrhauptmann erhielt jetzt den Titel „Haupttruppführer", wurde jedoch keineswegs mehr gewählt, sondern nach Vorschlag der Wehr vom Führer des Provinzialfeuerwehrverbandes ernannt. Doch bevor der Vorschlag landete, wurde der Kandidat in allen möglichen Instanzen durchleuchtet und begutachtet. ob er Arier war, keinem Geheimbund angehörte, politisch zuverlässig sei und so weiter...
Man mag heute über diese Dinge lächeln. Damals entschieden sie oft genug über Sein oder Nichtsein eines Menschen.
Zwei Jahre später hatten sich die Wogen wieder einigermaßen geglättet. Man hatte sich mit dem neuen System abgefunden und arrangiert. Am 18. Mai 1936 wurde Schlachtermeister Otto Grabke kommissarisch zum Wehrführer ernannt und schließlich im November auf der Hauptversammlung bestätigt. Er löste damit Tischlermeister Hermann Tietje ab, der das Amt des Schriftführers übernahm. Julius Ihle hatte schon 1934 wegen Erreichung des 60. Lebensjahres nach den neuen Statuten ausscheiden müssen.
1938 wurden die bisherig selbständigen Gemeinden Glüsing und Vaasbüttel als Ortsteile nach Hohenwestedt umgemeindet. Die Feuerwehren dieser beiden Orte gingen in der Hohenwestedter Wehr auf. Da die Einwohner dieser beiden Gemeinden nicht sehr begeistert von der Umgemeindung waren, lässt sich denken, dass auch die Wehrmänner keinesfalls mit Begeisterung in der Hohenwestedter Wehr Dienst taten.
1939 brach der zweite Weltkrieg aus. Noch im selben Jahr wurden 12 Männer aus der Freiwilligen Feuerwehr und 3 Männer aus der Pflichtfeuerwehr eingezogen. 1941 mussten Jugendliche in der Wehr eingesetzt werden, weil mittlerweile 23 Wehrmänner eingezogen worden waren. Die Jugendlichen rekrutierten sich aus der NS-Jugendorganisation „Hitlerjugend", zu deren Aufgabenbereich auch eine paramilitärische Ausbildung der Jugend gehörte. Zwar gibt es nur wenige Eintragungen aus dieser Zeit, jedoch war den älteren Angehörigen der Wehr jene Zeit noch gut in Erinnerung, so dass hierüber Aufzeichnungen aus der Zeit nach dem Krieg bestehen. Eine Löschgruppe musste sich mit dem Löschfahrzeug, einem LF 8, stets für Einsätze in den Städten Kiel, Neumünster und Hamburg bereithalten. (Der Standort dieses Fahrzeugs war in der unteren Mühlenstraße in einer Stallung.) Die Einsatzgruppe tat gut daran, reichlich Verpflegung in ihrem Fahrzeug mitzuführen, denn die Einsätze nach den Bombenangriffen in den Städten waren lang und schwer.
Im Mai 1945 mit Ende des Krieges kehrte wieder Ruhe ein. Zwar waren die Dörfer übervölkert. Allein Hohenwestedt hatte mit 5321 Einwohnern mehr als die zweifache Einwohnerstärke gegenüber der Zeit vor dem Kriege (1938: 2526 Einwohner), aber die Flugzeuge, die nun über das Land flogen, warfen keine Bomben mehr ab. Die Wehrmänner brauchten nicht mehr ständig mit ihrem Löschfahrzeug auf Abruf bereitzustehen und bei Fahrten ständig nach Tieffliegern Ausschau zu halten. Die nun folgende „Entnazifizierung" mit all ihren manchmal doch recht skurrilen Begleiterscheinungen setzte ein. Otto Grabke, der die Hohenwestedter Feuerwehr heil durch die Kriegszeit geführt hatte, wurde von der britischen Militärregierung als Kreiswehrführer eingesetzt. Die Amtsbezeichnungen aus der NS-Zeit wurden wieder abgeschafft. Die Freiwillige Feuerwehr wurde der Verantwortung der Gemeinde überstellt, die nunmehr nur diese Wehr als Arbeitspartner hatte. Die Pflichtfeuerwehren wurden endgültig abgeschafft.
In einer ersten Versammlung nach dem Krieg wurde Willy Oder aus der Rendsburger Straße zum Wehrführer gewählt. 1949 wurde in Hohenwestedt wieder ein Kreisfeuerwehrtag abgehalten. Obwohl man diesem Ereignis mit gemischten Gefühlen entgegensah, wurde er ein voller Erfolg. Es konnte sogar ein kleiner finanzieller Überschuss erwirtschaftet werden. Die Wehr besaß damals ein LF 8 mit einem TS 8-Anhänger. Das Löschfahrzeug (LF) war für die Bombenschädenbekämpfung gebaut worden und besaß einen dunkelgrauen Tarnanstrich. Es blieb daher nicht aus, dass es auch einen Namen erhielt: Es war das so genannte „Hermann-Göring-Gedächtnisauto". Die Tragkraftspritze (TS) war unzuverlässig und lief nie, wenn man sie dringend brauchte. Während der Feuerwehrmann Sandkamp mit Draht, Blech, allerlei Schrauben und „Zaubersprüchen" das LF 8 immer wieder zum Laufen brachte, war bei der TS alle Liebesmüh vergebens. Die Firma Gebr. Leser, die während des Krieges als rüstungswichtiger Betrieb nach Hohenwestedt ausgelagert war und eine eigene Tragkraftspritze mitgebracht hatte, half aus. Zwar war diese Motorspritze auch nicht besonders zuverlässig, aber sie lief wenigstens zeitweise.

Endlich entschloss sich die Gemeinde trotz der überaus großen Finanzmisere, eine neue Motorspritze zu kaufen. Als sie kurz nach ihrer Indienststellung bei einem Feuer in Meezen eingesetzt wurde, gab sie nach 20 Minuten ihren Geist auf und war trotz aller Reparaturen nicht mehr in Betrieb zu setzen
1949 wurde das Gerätehaus am Park bezogen. Auf dem Wirtschaftsgebäude eines ehemaligen kleinen Bauernbetriebes, das sich jetzt im Besitz der
Gemeinde befand, wurde ein Schlauchtrocknungsturm errichtet, der lange
Zeit der Wehr eine große Hilfe war. Gleichzeitig wurde auf dem Dach des
Vorderhauses eine Feuersirene installiert.
1950 stellte die Feuerwehr an die Gemeinde den Antrag, den Gerätewart hauptamtlich anzustellen und ihn nebenamtlich zusätzlich als Parkwärter zu beschäftigen. Für ihn sollte in dem Wohnhaus neben dem Gerätehaus eine Wohnung bereitgestellt werden. Im gleichen Jahr wurde auch der Feuerwehr-Musikzug, der durch die Kriegswirren zum Erliegen gekommen war, neu gegründet.
1955 hatte man endlich von den alten Motorspritzen die Nase voll. Es wurde eine neue Metz-Spritze mit VW-Industriemotor angeschafft, wie sie noch heute bei vielen Wehren anzutreffen ist. Dennoch konnte man sich in Hohenwestedt nicht entschließen, sich endgültig von der alten Motorspritze zu trennen. Sie sollte noch einmal gründlich durchgesehen und repariert werden. 1958 gab es in Hohenwestedt ein Großfeuer, das in eine Brand-katastrophe auszuarten drohte. Die Holstenmühle brannte in ihrer gesamten Ausdehnung lichterloh. Insgesamt 11 Wehren, darunter die Werksfeuerwehr der Düngerfabrik Rendsburg und die Freiwillige Feuerwehr aus Rendsburg waren im Einsatz. Durch diesen massiven Einsatz der Wehren konnte das Feuer schon nach zwei Stunden unter Kontrolle gebracht werden. Da ein Teil des eingelagerten Getreides der Einfuhr- und Vorratsstelle des Bundes gehörte, musste die Hohenwestedter Wehr über einen Zeitraum von sechs Wochen die Brandwache stellen.
1959 wurde das „Hermann-Göring-Gedächtnis-Auto" endlich durch ein neues LF 8 ersetzt. Die zweite Tragkraftspritze wurde in einem Anhänger untergebracht, so dass innerhalb des Ortes auch ein Schlepper als Vorspann benutzt werden konnte.

Geräteträger

1962 musste die Hohenwestedter Feuerwehr. wie viele andere im Lande auch, am 17. Februar zum Katastropheneinsatz an die Westküste abrücken. Dieser Einsatz blieb jedoch auf ein Minimum beschränkt, so dass die Wehrmänner noch am gleichen Abend wieder nach Hause kamen.
Die Organisation des Kreisfeuerwehrfestes nahm danach die Wehrmänner zeitlich gefangen. Dieses Fest, das am 12. Mai mit Fackelzug und Zapfenstreich begann, wurde ein großer Erfolg. Die Wehren des Amtes Hohenwestedt-Land hatten allerdings auch ein gerüttet Maß an Hilfe geleistet, was von den Hohenwestedtern dankbar vermerkt wurde.
Im August 1963 brannte in Böternhöfen infolge Heuselbstentzündung ein neu erbauter Kuhstall ab. Die Lösch- und Aufräumarbeiten dauerten drei Tage. Erst durch den Einsatz von Bundeswehr mit Großgeräten konnte ein rascher Abschluss der Arbeiten erreicht werden. Wenige Wochen später, am 7. Oktober des gleichen Jahres, konnte sich die Hohenwestedter Feuerwehr für diese Hilfe revanchieren. Sie löschte auf der Bundesstraße 430 unweit Böternhöfen einen brennenden Panzer vom Typ M 47.
Im April 1964 brannte die damals weich gedeckte Gaststätte „Ludwigslust" zum großen Teil ab. Ein Klempner hatte beim Schweißen unter dem Reetdach nicht aufgepasst.
1967 gab es gleich drei Jubiläen zu feiern: Die Gemeinde wurde 750 Jahre alt, die Feuerwehr 90 Jahre und der Kreisfeuerwehrverband, der in Hohenwestedt gegründet worden war, wurde 75 Jahre alt. Während das Ortsjubiläum und die 75-Jahr-Feier des Kreisfeuerwehrverbandes zusammen gefeiert wurden, feierte die Feuerwehr ihr 90. Stiftungsfest am 2. Dezember allein. Die Platzverhältnisse im Ort hätten sonst für alle Veranstaltungen nicht ausgereicht.
In diesen Jahren wuchs die Freiwillige Feuerwehr Hohenwestedt zu einer der stärksten Wehren im Lande. 76 Aktive, 10 Ehrenmitglieder und fast 300 Passive wurden in den Listen geführt. 1968 wurde eine neue Fahne angeschafft. Helmut Homfeldt wurde 1969 zum Wehrführer gewählt, nachdem sein Vorgänger Adolf Bauer nach 1 2jähriger Amtszeit zurückgetreten war. Im selben Jahr wurde beschlossen, für das baldige lø0jährige Jubiläum ein Sonderkonto einzurichten, in das alle überschüssigen Gelder eingezahlt werden sollten.
1971 wurde ein TLF 16 von der Gemeinde Hohenwestedt erworben und der Feuerwehr überstellt. Dieses Fahrzeug bewährte sich in der Folgezeit mehrfach, denn mit Hilfe der sofort verfügbaren 1600 Liter Löschwasser im Tank konnten viele Brände bereits im Entstehen gelöscht werden. Als die Wehr zur Hilfeleistung nach Tappendorf gerufen wurde, wo 1971 das Wirtschaftsgebäude des Landwirts Hilbert brannte, konnte das TLF allerdings auch nichts mehr ausrichten.
Im Jahre 1974 konnte die Feuerwehr die neue Feuerwache an der Rektor-Wurr-Straße in Betrieb nehmen. Sie entsprach weitgehend den Erfordernissen einer modernen Wehr, wenn auch sofort von den Feuerwehrmännern das Fehlen eines Schlauchtrocknungsturmes oder -mastes moniert wurde. Als vorübergehende Lösung wurde vereinbart, das höhere Gebäude der ehemaligen Kokerei bei den Gemeindewerken für diese Zwecke zu nutzen.
Ihr l00jähriges Bestehen konnte die Freiwillige Feuerwehr Hohenwestedt im Jahre 1977 feiern. Vom 2. bis 11. September 1977 lief im Rahmen der Hohenwestedt-Woche ein großartiges Festprogramm ab, das durch einen Empfang durch die Gemeinde Hohenwestedt und die Freiwillige Feuerwehr im neuen Sportzentrum eröffnet wurde. Die Festrede hielt Landesbrandmeister Augustin. Der Sonntag war der Höhepunkt dieses Jubiläums mit dem Ummarsch aller Wehren mit ihren Fahrzeugen durch die Straßen Hohenwestedts und den anschließenden Wettkämpfen auf „Wilhelmshöh".